Montag, März 06, 2006

"HOSTEL" - Mad World


Paxton: ”You fucking whore. YOU FUCKING BITCH!”
Natalya: ”I get a lot of money for you, and that make you MY bitch.”

Wir kennen das: Bevor der Ernst des Lebens beginnt will man noch mal richtig die Sau rauslassen. Auch Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson) denken sich das, und machen sich zu einem Trip nach Europa auf. Drogen und Sex, mehr brauch es nicht um beide zufrieden zu stellen. Recht schnell finden sie sogar einen weiteren Weggefährten, den Isländer Oli (Eythor Gudjonsson), mit dem sich die beiden von Amsterdam nach Bratislava durch schlagen. Dort soll es nämlich ein sagenumwobenes „Hostel“ geben, in dem jeder Amerikaner die willigen Osthasen gleich reihenweise vernaschen darf. Was auf den ersten Blick ausschaut wie die Aussichten auf die hemmungsloseste Orgie ihres Lebens, verkommt schon bald zur blutigen Überraschungsparty, welche die 3 so sicher nicht im Sinn hatten.

Eli Roth is back in da House und bringt uns einen fiesen Folter-Slasher mit. Schon im Vorfeld wurde „Hostel“ als das neue Optimum auf dem Blutmarkt angepriesen und von vielen Toronto-Rezessenten mit „bloodiest Flick ever“ betitelt. Dem ist ganz klar nicht so. Die Schuld finden wir auf keinen Fall bei Roth, eher bei der Marketingabteilung. „Hostel“ bietet uns zwar die eine oder andere Blutfontäne, doch beschränken sich diese auf 3-4 Szenen. Mit einem Budget von gerade einmal 4,5 Millionen beschränkt sich „Hostel“ dann doch auf andere Blickpunkte. Der Terror und das Gänsehautfeeling bauen auf die monströse Atmosphäre auf. Eli Roth, das wissen wir, ist ein echter Fachmann wenn es um eine Inszenierung des Grauens geht. Seine Settings und die Ausstattung sind so angsteinflößend das es sinnfreien Metzelszenen gar nicht bedarf.


Trotzdem ist „Hostel“ ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite könnte man Roth dafür loben sich gebührend Zeit für eine Einführung zu nehmen, auf der anderen Seite möchte man ihm an den Hals springen weil man das Gefühl hat, der wirkliche Horror beginnt erst wenn der Film schon wieder fast vorüber ist. Das ist kein Witz. Bis wir uns das erste Mal richtig im Kerkerkomplex befinden und Blut zu Gesicht bekommen ist die Hälfte der Laufzeit fast vorüber. Die 2. Hälfte zieht Roth dann aber wirklich jedes erdenkliche Register und schafft es erneut sehr kultige Momente zu schaffen. Die Erzählung wird straffer, der Plot einfallsreicher. Ich persönlich kam ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Des Öfteren wird im Film gebrochenes Deutsch gesprochen, einer dieser typischen Gags, die mir natürlich sehr gefallen haben. Wie das jedoch in der Synchro funktionieren soll, keine Ahnung. Roth hatte dann endgültig einen Stein bei mir Brett, als er Takashi Miike in einem sehr skurrilen Cameo auftreten ließ. Mit den letzten 15 Minuten, einer kultigen Mischung aus Hetzjagd, Blut, Erbarmungslosigkeit und „Upper Madness“, kaschiert Eli Roth dann auch seinen vielleicht etwas zähen Einstieg in „Hostel“.

Die Darsteller empfand ich als überdurchschnittlich gut, in Betracht eines Genrefilms. Es sind nicht die üblichen Hupfdohlen und auch keine prominenten Gesichter mit dem man werben könnte, welche uns durch den Film führen. Es ist ein unverbrauchter Cast. Gerade Jay Hernandez (Friday Night Lights, Ladder 49) weiß zu überzeugen. Auf der weiblichen Seite gibt es was fürs Auge: Natalya (Barbara Nedeljakova) und Svetlana (Jana Kaderabkova) ziehen die Männer auf und vor der Leinwand in ihren Bann und machen es undenkbar einfach die Handlungen von Paxton und Josh nachzuvollziehen. Oder besser gesagt: Wer hätte sich ihnen entziehen können? Ein weiterer Aspekt an „Hostel“, der mir sehr gefallen hat, war die Tatsache, dass Roth ein hohes Rating nicht scheut. Befinden sich Titten im Raum, werden sie auch gezeigt, gibt es einen Anlass sehr brutal zu werden… Bitte sehr. Wo kann man das denn in PG-13 Zeiten noch beobachten? Wobei die Konsequenz mit der Roth an diesen Film geht wirklich beachtlich ist. Sehr oft ertappt sich der Zuschauer dabei, sich von einer Szene mehr zu erhoffen als man letzten Endes sieht. Roth agiert dabei gerade zu arrogant: Er setzt den Schnitt wenn er es für richtig hält, er sitzt am längeren Hebel.


Wer jetzt immer noch denkt, Roth würde uns einen selbst verliebten, hohlen Reißer servieren, tut „Hostel“ dann doch unrecht. Er thematisiert die Perversion der Macht, sicherlich um Welten eindimensionaler als beispielsweise „Saló“ oder „Quills“, aber dennoch auf recht unkonventionelle Weise. Wie weit würdest du gehen, wenn dir vermeidlich undenkbare Möglichkeiten geboten werden und du das nötige Kleingeld besitzt? Selbst wenn der Film hier keinen wirklichen Punkt macht, verschmilzt dieser Gedanke hervorragend mit dem filmischen Gerüst. Quentin Tarantino hat seinen guten Namen also nicht für irgendeinen Dreck hergegeben, sondern einfach auf seinen Buddy Eli Roth und dessen neuen Film vertraut. „Hostel“ feiert die Auferstehung des 80er Horrors und besticht durch seine schauderhafte Inszenierung. „Hostel“ ist ein wirklich fieser, dreckiger, kleiner Genrefilm mit ein paar (notwendigen) Längen und wundervoll kranken Ideen geworden. Nicht mehr, Aber weiß Gott auch nicht weniger. 8/10

Kommentare:

Scarlettfan hat gesagt…

Was hat der arme Film Dir angetan, dass Du ihn so übel verreisst und mit anderen Splatter-Filmen auf eine Stufe stellst?
HOSTEL ist für mich *das* Meisterwerk schlechthin!! Ein höchst intelligenter, subversiver und in seiner Stimmung ambivalenter Film, dessen Erzählung - ganz untypisch für das Genre - kohärent ist und auf ganz pfiffige (um nicht zu sagen: hinterfotzige) Weise dargeboten wird.
Was hat der Film Dir angetan, dass Du ihn nur unwesentlich höher als den unsäglichen FEED bewertest? Ich würde HOSTEL ohne zu zögern 10/10 Punkten geben.

Morgen schreibe ich mehr zu diesem faszinierenden Meisterwerk. Jetzt bin ich zu müde. =)

Vengeance hat gesagt…

Verrissen? Nein, Um gottes Willen. ich kag den FIlm doch sogar sehr. Nur hat er für mcih eben die ein oder andere kleine Macke welche den Gesamteindruck etwas trüben. Habe eine Zahl noch einmal korrigiert;-)

Freue michs chon sehr darauf von dir etwas zu HOSTEL lesen zu können. Bin echt gespannt, denn das der Film so gut bei dir ankommt, Nein, das hätte ich nicht gedacht. *g*

Scarlettfan hat gesagt…

Nee, das ist mir schon klar, dass HOSTEL Dir gefallen hat. Geht aus Deinem Text ja auch eindeutig hervor. Ich wollte nur auf spaßige Weise darauf hinweisen, dass ich persönlich den Film nicht auf eine Stufe stellen würde mit FEED und CREEP und Sonstigem. Das meinte ich, als ich schrieb, Du würdest den Film "verreissen".

Bin ehrlich geschrieben sehr angetan von HOSTEL, würde ihn sogar noch höher bewerten als den recht brillanten CABIN FEVER. Ich finde, HOSTEL ist *der* Beweis dafür, dass auch ein Splatterfilm intelligent sein und eine schlüssige Handlung aufweisen kann. Und im Gegensatz zu anderen Filmen des Genres hat HOSTEL was zu erzählen. Nur bei oberflächlicher Betrachtung ist dies ein genre-konventioneller Film, aber da steckt viel mehr drin. Interessant fand ich die Parallelen zu CABIN FEVER - Roths Blick auf die Jugend, sein Kommentar zum Schönheitsideal, etc. Und in seiner Machart ist HOSTEL einfach nur phantastisch gelungen. Bin recht gespannt, was der Marcus zu diesem Film schreiben wird, nachdem er HOUSE OF WAX und Sonstiges so hoch bewertet hat.

Vengeance hat gesagt…

Vor allem die Verfolgungsjagd mit dem Auto war doch eine Roth-typische Szene. Ich dand sie so geil, das ich am liebsten noch 2. mal gesehen hätte. Wirklich Spaßig. Halte HOSTEL im Übrigen auch für den besseren Film, obwohl ich CABIN FEVER schon sehr mochte. Ich bin ja meistens bei Horrorfilmen (da großer Genrefan) sehr skeptisch. Siehe DESCENT, denn ein jeder Horrorfreak in den Himmel lobt. Ich denke das HOSTEL zu den besten Horrorfilmen 2006 zählen wird. Nur noch Aja's THE HILLS HAVE EYES kann ihm diesen Rang ablaufen. Bin sehr gespannt und freue mich auf das HOSTEL DVD Release am 18.03. ;-) Solltest du dir evtl. Notieren. lol

Vengeance hat gesagt…

Mist: 18.04. natürlich. Sorry. ;-)

Scarlettfan hat gesagt…

Ach, weißt Du, ich habe den Film schon im Kino gesehen und in einigen Wochen werde ich ihn noch mal im Kino sehen, wenn ich über Ostern noch mal verreise. Eine Woche später dann (Ende April) startet der Film ja schon in den deutschen Kinos, also werde ich ihn ein drittes Mal sehen können. Für teures Geld die US-DVD zu importieren, lohnt sich im April also gar nicht mehr für mich. Trotzdem Danke für den Tipp. :-)

Bin heute wieder nicht dazu gekommen, einen Blogeintrag zu HOSTEL zu verfassen. Morgen vielleicht.