Montag, Juli 27, 2015

Film // Victoria (DE, 2015)















VICTORIA / DE / 2015
Wertung: ★★★★★★★★☆☆

Lassen wir MAD MAX: FURY ROAD mal außen vor, gibt es dieses Jahr wohl kein intensiveres Kinoerlebnis als VICTORIA. Eine wilde und überaus emotionale Achterbahnfahrt durch einen Berliner Kiez, der in diesem Drama griechischen Ausmaßes die Bühne ersetzt. Durch den OneShot-Charakter (es scheint aber dann doch wenige Schnitte gegeben zu haben) erlebt der Zuschauer das Geschehen live mit und ist stets auf dem Stand der Hauptdarstellerin. Wir lernen die Gruppe um "Sonne" erst Stück für Stück kennen, durchleben quasi ähnliche Gefühlsregungen wie Victoria.

Auch darstellerisch ist der Film absolute Meisterklasse. Gerade Laia Costa und Frederick Lau liefern hier stellenweise Leistungen ab, die ihresgleichen suchen. (Womöglich über große Teile sogar improvisiert könnte man sich vorstellen.) Nun ist leider nicht alles golden an VICTORIA. Das gesamte Storykonstrukt schlägt ab der Hälfte große Logikhaken. So manche Motivation bleibt unverständlich. Doch das muss man hinnehmen (können). Dann offenbarte sich hier großes Emotionskino, bei dem die Nerven stellenweise blank liegen.

Mittwoch, Juli 22, 2015

Film // Unfriended (USA, 2014)














UNFRIENDED / USA / 2014
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

Im Grunde muss ich gestehen, dass man dem Film viel mehr lobende Worte beisteuern kann als negative. Im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Prämisse macht UNFRIENDED eigentlich wahnsinnig viel richtig. Die Idee, einen kompletten Film als eine Art Sceensharing zu filmen gab es so wohl tatsächlich noch nicht. Deswegen finde ich Vergleiche zu BLAIRWITCH PROJEKT oder PARANORMAL ACTIVITY - was den Innovationsfaktor angeht - keines Falls überzogen. Den Zeitgeist trifft der Film aber in jedem Fall: nie war Cybermobbing im Film didaktisch so gut auf- / ausgearbeitet. (Und das nur bedingt mit Zeigefinger).

Der Film ist durchaus spannend und das Konzept geht auf. Das ein oder andere Eingeständnis in Form eines Jumpscares findet sich dann doch. Man hat nicht zuletzt deswegen auch oft das Gefühl, es wäre mehr drin gewesen. Man hätte noch etwas feilen können. Am ein oder anderen Dialog, einigen Logik-Knicksen ohne die der Rahmen nicht so ganz funktioniert. Und auch über das Ende kann gestritten werden. Was bleibt ist aber einer der besseren, relevanteren Genrefilme. Der zwar tumb im Teen-Slasher-Gewand daher kommt, jedoch weitaus mehr zu sagen hat.

Ein großes Lob auch an die enorm aufwändige Lokalisierung, die sich selbst im fünften Layer des Desktops mit Übersetzungen ausgetobt haben.

Dienstag, April 28, 2015

Film // Last Seen April 2015

















A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT 
Ana Lily Amirpour, 2014
Wertung: ★★★★★★★★★☆

WYRMWOOD
Kiah Roache-Turner, 2014
Wertung: ★★★☆☆☆☆☆☆☆

WELP (CAMP EVIL)
Jonas Govaerts, 2014
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

GERMAN ANGST
Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marshall, 2015
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

BEFORE I GO TO SLEEP
Rowan Joffe, 2014
Wertung: ★★★★★★☆☆☆☆

THE LIVING END
Gregg Araki, 1992
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

SPLENDOR
Gregg Araki, 1999
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

NOWHERE
Gregg Araki, 1997
Wertung: ★★★★★★★★★☆

DER FREMDE AM SEE
Alain Guiraudie, 2013
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

LAURENCE ANYWAYS
Xavier Dolan, 2012
Wertung: ★★★★★★★★★★

THE MAZE RUNNER
Wes Ball, 2014
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

BEGIN AGAIN
John Carney, 2013
Wertung: ★★★★★★★★☆☆

SERIEN: Looking, Girls, The Strain (alle auf ihre eigene Weise top)

Freitag, April 24, 2015

Film // The Avengers 2: Age Of Ultron (USA, 2015)














THE AVENGERS 2 - AGE OF ULTRON / USA / 2015
Wertung: ★★★★★☆☆☆☆☆

Mir schwirren viele Gedanken im Kopf umher zu diesem Film, der sich selbst so gar keine Gedanken zu machen scheint. First things first: AVENGERS 2 ist Videospiel-Action-Gekröse in Reinform. Erinnert nicht selten an die belanglosen TRANSFORMERS-Filme. Ohja, der Film wirkt tatsächlich oft so, als habe Michael Bay den Regiestuhl an sich gerissen und Joss Whedon musste sich mit ein paar Drehbuchzeilen zufrieden geben. Denn die Schenkelklopfer (!) sind dann meistens (!) doch etwas schnittiger. Die Story gibt an sich zwar einiges her, fruchtet aber in dieser Aufbereitung nicht so recht. Sowohl hier als auch in ganz vielen anderen Punkten gibt es ein großes Hauptproblem: Balancing.

Inhaltlich setzt der Film viel zu lange auf den falschen Gaul, muss sich am Ende dann arg abstrampeln um noch halbwegs die Kurve zu bekommen: Figuren, die vollkommen verschenkt wurden. (Ultron zum Quadrat) Figuren, die vollkommen unnötig und gar ärgerlich sind. (Elisabeth Olsen - abgesehen davon das ich sie als Schauspielerin grauenvoll finde. Was soll diese Figur, die scheinbar alles kann!? Und ihre Motivation und Fähigkeit wie Unterwäsche wechselt!?) Ich frage mich jedoch seit der Vorstellung, was ich denn am ersten Teil soviel besser fand. Und schlussendlich ist meine Wahrheit folgende: Das Kunststück des Erstlings liegt darin, die verschiedenen Superhelden in einem stimmigen Gesamtwerk zusammen zu führen und einen jeweils gleichwertigen Charakteranteil zu zeichnen. Doch dieser Job ist erledigt. Im zweiten Teil steht die Truppe bereits - also wird das Hauptaugenmerk auf ellenlange Gefechte und und flotte Sprüche gelenkt. Und hier ist es wieder, das Balancing-Problem. Dieser Film folgt keinen Regeln. Und wir wissen… selbst der fantastische Film braucht diese um halbwegs ernst genommen zu werden. Menschen hauen Roboter zu Brei, springen hunderte von Metern… Whedon verleiht noch vor der finalen Schlacht allen Protagonisten Gottstatus. Wie soll der Zuschauer denn da auch nur eine Sekunde mitfiebern? Oder für einen Moment an der unbegründeten Harmonie der Heldengruppe zweifeln!? Oder die Romanze zwischen Johansson und Buffalo für voll nehmen!? Dazu will uns AVENGERS 2 zwar zwingen, liefert aber keinerlei Gründe dafür. Dies hat der Erstling alles viel geschickter gelöst.

Ich könnte noch unzählige weitere solcher Punkte nennen. AVENGERS 2 bleibt jedoch irgendwie egal. Und natürlich hat er einen gewissen Unterhaltungswert. Dennoch ist er bei weitem nicht so flott wie der Vorgänger. Whedon's nahezu perfektes Teppichgeflecht zieht in der Fortsetzung einige Maschen und zerfasert. Die Euphorie nach nach dem ersten Teil bleibt aus - ein Achselzucken. Mehr leider nicht. Junkfood.

Mittwoch, Februar 25, 2015

FILM // The Guest (USA, 2014)





















THE GUEST / USA / 2014
Wertung: ★★★★★★★★☆☆

Regisseur Adam Wingard hat schon ein paar bemerkenswerte Kreuze auf seiner Tanzkarte: Gerade YOU'RE NEXT erntete viel Dank und Bewunderung unter den Genre-Fans. Doch auch A HORRIBLE WAY TO DIE ist Digital-Zelluloid mit der ein oder anderen Überraschung. Dies ist meiner Meinung nach auch Wingard's Spezialgebiet: Er schafft es in Territorien zu überraschen, die für den Zuschauer auf den ersten Blick abgefrühstückt scheinen.

Dieses Kunstwerk gelingt ihm auch im jüngsten Werk THE GUEST. Vielleicht sogar mit einer guten Portion mehr Nachdruck. Der Film lässt sich generell nur sehr schwer in eine Genre-Kiste packen. Nicht wirklich Thriller - obwohl eigentlich schon. Definitiv keine Komödie - aber satirisch dann eben doch auch sehr. Es ist ein bunter Flickenteppich, der im Grunde etwas ganz eigenes kreiert. Mit großartigem Soundtrack und vielen Wendungen. Von Maika Monroe, dem Star aus IT FOLLOWS, äußerst sympathisch und effektiv gespielt. Doch das größte Lob darf natürlich Hauptdarsteller Dan Stevens einstreichen. Eine wahnwitzige Performance. Irgendwie frisch, dieses merkwürdige Mischung. Sehempfehlung.