Donnerstag, August 01, 2013

FILM // Trance (2013)
















TRANCE / GB / 2013
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

Wer den Trailer zu Danny Boyle's jüngstem Werk gesehen hat, vermuten mit Sicherheit einen relativ geradlinigen Stylo-Thriller. Doch TRANCE ist alles andere als "straight!", er windet sich wo er nur kann. Einzig der Prolog, in dem wir in fast mechanischer Abfolge das Rezept eines perfekten Coups verraten bekommen, gleicht dieser Erwartung. Doch sobald die Hatz losgeht, gibt es kein Halten mehr. Mit zunehmender Laufzeit verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Realität sowohl narrativ als auch visuell: Was anfänglich noch sehr strikt durch unscharfe Bilder und Filter getrennt ist, verschmilzt zunehmend mehr zu einer neuen Wahrheit. Sowohl die Hauptfiguren als auch der Zuschauer können der Charade ab einem gewissen Punkt nicht mehr so recht folgen und sind gezwungen, diese kleine Twilightzone anzuerkennen. Und hier geht es Boyle weniger um den ständigen Erklärbaren und AHA-Twist, wie es beispielsweise Christopher Nolan in INCEPTION perfektioniert hat, sondern das Spiel mit den verschiedenen Erzählebenen wird mehr oder weniger zum zentralen Dreh- und Angelpunkt von TRANCE. Der Mechanismus dient keinem hören Ziel - sondern ist dies selbst. So kann man sich auch sehr gut vom Gezeigten hypnotisieren lassen. Die Pointe bleibt mehr oder weniger Farce - Der Weg ist das Ziel. TRANCE ist in bester Danny Boyle Manier wieder überaus schnittig und erwartet rough angelegt. Besonders den Schnitt muss man hier loben. Er erzählt viel zwischen den Frames, was wiederum der Kurzweiligkeit des Films zu Gute kommt.

 Im großen Finale führt Boyle das Ende vom Ende dann aber quasi doch noch ad absurdum. Fast comicartig durchbricht jede Story-Schleife wieder eine neue Plexiglas Platte aus schizophrenen Wendungen. In letzter Konsequenz ist dies auch etwas zu viel des Guten. Aber das kennt man von Herrn Boyle ja gerade in seinen liebenswerten kleinen Produktionen nur zu gut: Schon in MILLIONS (einer meiner absoluten Lieblingsfilme des Regisseurs) mussten am Ende ein paar kleine Strafpunkte abgezogen werden. Dennoch funktioniert TRANCE als flotter und - ich sage es nur ungern aber es passt - pfiffiger Thriller. Gerade wegen einer überaus bezaubernden und bis zuletzt undurchsichtigen Rosario Dawson und dem durchaus soliden Männergespannt McAvoy und Cassel. Ob der Film ein Publikum findet bleibt abzuwarten - unterhaltsam ist er allemal.

Sonntag, Juli 28, 2013

FILM // Only God Forgives (2013)















ONLY GOD FORGIVES / USA / 2013
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Theater der Sinne. Ganz ungeniert streift Nicolas Winding Refn die Erwartungen nach DRIVE ab und kehrt wieder mehr zu den Werken zurück, in denen er schon zuvor auch Drehbuchschreiber war. Viel BRONSON, aber noch mehr VALHALLA RISING fließt durch die Adern seines neusten Films. Seine Figuren sind keine Menschen, sie sind reiner - und vor allem roher - emotionaler Access Point für sein düsteres Orgelkonzert. Standbilder, die ihre Fixierung auf unangenehme Art und Weise lösen und in Bewegungen ausbrechen.

Auf der ersten Ebene ist ONLY GOD FORGIVES ein gewaltvoller Akt der Verzweiflung - selten hatten wir es mit einem größeren Antiheld zu tun. Und noch nie hat das nun mehr standardisierte, autistische Spiel Goslings mehr Sinn ergeben. Wir gehen mit Refn weg von der Person und somit ran ans Gefühl. Ein kleiner Vortex an Stimmungen, die wunderbar durch seinen blutroten Bilderrausch beflügelt werden. Der Film fühlt sich auch in seiner zerfaserten Struktur an wie ein Fiebertraum.

Auf der zweiten Ebene ist es aber dennoch ein Film, der das Genre welches er vorgibt zu bedienen sehr gut kennt. Im Deckmantel asiatischer Rachethriller ist ONLY GOD FORGIVES am Ende  auch eine Geschichte über moralische und kulturelle Konflikte. Ryan Gosling ist der Kieselstein, der die Lawine zum Rollen bringt, als er mit der Rache-Tradition bricht. Der amerikanische Parasit, der schon allein deswegen zum Scheitern verurteilt ist, weil es das System in dem er sich eingenistet hat nicht versteht. In einer Schlüsselsequenz bekommen wir hier nebenbei auch die großartigste Kampfsequenz gezeigt, die eigentlich gar keine ist. Und noch zwei Dinge gibt es, die ich an ONLY GOD FORGIVES einfach lieben musste. Die Musik ist im positiven Sinne grauenvoll. Ich bin spätestens hier, nach DRIVE und SPRING BREAKERS Cliff Martinez verfallen. Und zum anderen ist es natürlich Kristen Scott Thomas. Wenn man sie dann mal erkannt hat, hofft man gleichzeitig ihre Zigaretten würden ewig glimmen.

Und somit kann ich unterm Strich sagen, dass auch dieser Film von Nicolas Winding Refn meinen Geschmack getroffen hat. Vielleicht auch gerade weil er der Utopie eines DRIVE-Klons (wie man es nach dem Trailer vermuten konnte) so unerhört lässig den Stinkefinger zeigt. Entschuldigung, der Film versucht nicht cool zu sein. Er ist es.

Donnerstag, Juni 20, 2013

FILM // The Purge (2013)

















THE PURGE / USA / 2013
Wertung: ★★★★★☆☆☆☆☆

Kommt mit einer durchaus interessanten Grundidee um die Ecke, will aber insgesamt etwas zu viel: Medienschelte, Kapitalismus- und Staatskritik, Homeinvasion Thriller. Von allem ein bisschen, daher nichts so richtig. Ganz und gar vertraut Regisseur DeMonaco seiner Basisstory nicht, denn er schmückt die Handlung immer wieder mit unnötigen Phrasen aus um dem Publikum jeden kleinen Fetzen vorzukauen. Eingebettet wird die Thematik schließlich in einem Thriller, der sich ebenfalls zahlreichen Stilmitteln bedient ohne sie in einen Kontext zur Handlung zu stellen. Deswegen funktioniert THE PURGE leider auch nur sehr bedingt. Ethan Hawke und Lena Headey bleiben ebenso weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. So scheint immer mal wieder ein kluger Ansatz durch, am Ende bleibt THE PURGE aber eher beliebig. Wie so oft: Ein Studio baut eine zusammengeschusterte Hülle um eine einzelne gute Ausgangsidee. Da wäre definitiv mehr drin gewesen.


Montag, Juni 17, 2013

DINING // Maaschanz, Frankfurt-Sachsenhausen



















Wertung: ★★★★☆☆☆☆☆☆

Nach zahlreichen Links in diversen Zeitschriften rund um Frankfurter Gastronomie wollten wir das Restaurant Maaschanz in Sachsenhausen ausprobieren. Eine süße Terrasse - nur durch eine Straße vom Main getrennt - sorgte schon mal für gute Laune. Also wählten wir dort einen Platz und bekamen prompt vom Servicepersonal (inklusive Chef) die Karte überreicht. Diese ließt sich sehr gut und macht Lust auf mehr. Tolle Kombinationen und eine schöne Auswahl die nicht erschlägt. Wir fragten zu Beginn gleich ob EC oder Kreditkarten akzeptiert werden - EC ist kein Problem. Auch super. Das Essen kam. Es war lecker, aber in Relation zum Preis doch wirklich sehr wenig. 7 Blätter Kräutersalat und eine kleine Scheibe Ziegenkäse hatten einen doch eher stolzen Preis. Nun gut, dennoch alles noch "ok" bis hierhin. Bis ich eine Cola light bestellte und die Bedienung mit einer normalen ankam. "Light haben wir nicht, aber normale". Ich sage: "Oh schade, dann würde ich bitte ein Mineralwasser nehmen." Bedienung schaut mich verwundert an und geht. (Es wird einen Grund gehabt haben, wieso ich keine normale bestellt hatte. Naja...)

Der richtige Hammer kam dann aber beim Bezahlen: Wir hatten eine 60 Euro Rechnung und wollten getrennt mit Karten zahlen. Dies war aber auf einmal nicht mehr möglich. Wir wurden schräg angeschaut und es hieß: "nein nein nein, nicht für solche Beträge. Sie können doch keinen Espresso mit Karte zahlen!" - Das wollten wir auch nicht. Es waren rund 20 Euro je Person. Man gab uns massiv das Gefühl das wird ohnehin schon zu wenig Umsatz gemacht hätten und dann auch noch - im Jahre 2013 - eine Kartenzahlung je Person!? Wie frech von uns. Wir zahlten dann gemeinsam und waren uns alle einig: nein, eher nicht noch mal. Schade.


Freitag, Juni 07, 2013

FILM // Freier Fall (20133

















FREIER FALL / DE / 2013
Wertung: ★★★★★★★☆☆☆

Es sind dann doch meist Filme, die man schon weit im Vorfeld ausschliesst und von denen man schlussendlich doch überrascht ist. Von denen man denkt genau zu wissen, dass sie jede Klischeeschleife mitnehmen ohne auch nur einmal zu blinzeln. Auch FREIER FALL ist hierfür ein Beispiel. Eine gelungene "Verdeutschung" von BROKEBACK MOUNTAIN, in der man Cowboy-Spirit gegen das nach wie vor unaufgeschlossene Milieu der Bundespolizei eintauscht.

Dieser Transfer funktioniert erstaunlich gut. Der Film zeichnet den Blick aus der Provinz auf, der nach wie vor mit vielen Vorurteilen behaftet ist. So richtig tief taucht Regisseur Stephan Lacant nicht in die dunklen Tiefen der Thematik ein. Doch das ist nicht weiter schlimm. FREIER FALL lebt vor allem von der großartigen Kameraarbeit, welche die Erzählungen mit vielen wundervollen CloseUps und Kamerafahrten beflügelt. Und zum anderen ist es das großartige Ensemble. Bis in die kleinste Rolle werden die vorgefertigten Figuren glaubhaft und nah wiedergegeben. Allem voran natürlich das neue Traumpaar am Kinohimmel: Max Riemelt und Hanno Koffler. 

Natürlich gibt es auch ein paar Schwachstellen. So macht der Film gerade in der ersten Hälfte einige Eingeständnisse an sein breites Publikum, auf die man hätte auch gut und gerne verzichten können. Was man dem Film aber in jedem Fall anrechnen muss: in der zweiten Hälfte springt FREIER FALL über nahezu jedes Klischee-Fettnäpfchen lässig hinweg. Stellenweise mag man gar nicht hinsehen, denkt genau zu wissen was jetzt kommt und schließt innerlich mit dem Film ab. Doch immer genau dann ist FREIER FALL unverhofft selbstbewusst und beweist, dass es ihm zum großen Teil auch um die Figuren geht und nicht um Anbiederung beim Publikum. 

Dies hat vor allem Auswirkungen darauf, dass wir nach der letzten Szene mit einem sehr guten Gefühl aus dem Kino gehen. Dieses Gefühl enthält mehr Message als jede Zuckerwatte, in der man den Film schon eingewickelt sah.